Heidnisches Europa

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  • AMA10202
  • Prudence Jones / Nigel Pennick
  • 3-935581-23-8

  • 288 Seiten, 41 s/w-Abb., broschiert

„Dieses Buch wird nicht nur ein Standardwerk der heidnischen Literatur werden, sondern es... mehr
Produktinformationen "Heidnisches Europa"

„Dieses Buch wird nicht nur ein Standardwerk der heidnischen Literatur werden, sondern es wird sicher zu einer erneuten Diskussion über altes und neues Heidentum beitragen. Wer vorhat, dieses Jahr nur ein Buch zu kaufen, sollte dieses hier kaufen. Stunning!" Pagan Voice.

Jones und Pennick beschreiben nicht nur die heidnischen Traditionen, Mythen und Glaubensvorstellungen der Griechen, Römer, Kelten und Germanen, sondern wagen sich erstmalig auch weit nach Osten: auf den Balkan, ins Baltikum und zu den Russen.

Inhaltsverzeichnis:

- Vorwort und Danksagung
- Einführung: Heidentum in älterer und neuerer Zeit
- Die Griechen und der östliche Mittelmeerraum
- Das Römische Reich
- Die keltische Welt
- Die späteren Kelten
- Die germanischen Völker
- Die späte germanische Religion
- Der nichtgermanische Ostseeraum
- Rußland und der Balkan
- Die Wiederbelegung des Heidentums
- Anhang
- Anmerkungen
- Verzeichnis der Abbildungen
- Bibliographie

Leseprobe:

DAS ROMANTISCHE HEIDENTUM
Parallel mit der Wiederherstellung des Druidentums erlebte das klassische Heidentum in Nordeuropa eine neue Phase. Durch Thomas Taylors Übersetzung des „Orphischer Hymnus auf Pan“ (1787) entdeckten die romantischen Dichter die Seele aller Dinge neu. Die romantischen Dichter entwickelten eine Sehnsucht nach verlorenen Zeitaltern, wie in Schillers Die Götter Griechenlands. In England war ihnen eine Wertschätzung des Heidentums gemeinsam. Nach Tod und Zerstörung durch die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege kam das „Jahr ohne Sommer“ (1816), in dem der Hunger über Europa hinwegfegte, begleitet von Nahrungsmittelaufständen. Nach dem Zerfall der alten Ordnung sahen die romantischen Dichter das Heidentum als einziges Heilmittel für die „falschen Wege“ der Christenheit und der Industrialisierung. In einem Brief an Thomas Jefferson Hogg (22. Januar 1818) schrieb Leigh Hunt:

Ich hoffe, Ihr habt wie gewöhnlich Eure Andacht für die Religio Loci beachtet und ein Immergrün aufgehängt. Wenn ihr alle damit fortfahrt, wird es eines Tages eine Hoffnung geben ...eine Stimme wird entlang der Wasser zu hören sein, die ruft: „Der große Gott Pan lebt wieder“ - daraufhin werden die Dorfbewohner nicht mehr hungern und weltliche Hymynen singen und wieder zu tanzen beginnen.

In seinen Briefen unterschreibt Thomas Love Peacock „Im Namen des Pan, Ihr sehr ergebener“.25 Im Oktober 1821 schrieb Percy Bysshe Shelley an Thomas J. Hogg:

Ich bin glücklich, zu hören, daß Ihr die Riten der wahren Religion nicht ablehnt. Euer Brief weckte meine schlafende Verehrung, und am selben Abend erklomm ich allein den hohen Berg hinter meinem Haus, hängte einen Kranz auf und errichtete einen kleinen Torfaltar für Pan, der über die Berge wandert. Später im neunzehnten Jahrhundert gewann Edward Carpenter (1844 - 1929) an Einfluß in der heidnischen Bewegung. Er war Mitglied verschiedener sozialistischer Gruppen, einschließlich der Sozialistenliga von William Morris und der Fellowship of the New Life, der die Fabian Society entstammt. Nachdem er 1874 sein anglikanisches Amt aufgegeben hatte, befürwortete er das Neuheidentum als Rückkehr zu den wesentlichen Dingen des Lebens. 1883 gründete er in Millthorpe zwischen Sheffield und Chesterfield eine unabhängige Gemeinschaft. In Civilisation: Its Cause and Cure schrieb er:

Die Bedeutungen der alten Religionen werden zurückkehren ... auf den hohen Gipfeln wird man sich wieder versammeln und mit nackten Tänzen die Herrlichkeit der menschlichen Gestalt und die großartige Prozession der Sterne feiern oder die helle Sichel des jungen Mondes grüßen, die nun nach hundert Jahrhunderten zurückkehrt, beladen mit solch wundersamen Assoziationen - all den Sehnsüchten und den Träumen und dem Erstaunen der Generationen der Menschheit - der Anbetung der Astarte und der Diana, der Isis und der Jungfrau Maria; wieder einmal wird man in heiligen Hainen die Leidenschaft und das Entzücken menschlicher Liebe mit seinen tiefsten Gefühlen der Heiligkeit und Schönheit der Natur neu vereinen; oder man wird unbedeckt im Freien vor der Sonne stehen und das Zeichen der immerwährenden Pracht bewundern, das darin leuchtet.

Oscar Wilde wiederholte die Empfindungen von Carpenter, als er schrieb:
Oh Bocksfuß von Arkadien!
Die moderne Welt verlangt nach dir!

Andere idealistische Naturbewegungen wie die Social Credit Party (die bis 1980 Sitze in der kanadischen Legislative innehatte) und ihr Ableger, die Woodcraft Folk (eine Bewegung junger Leute, die heute noch aktiv ist) stammen aus dieser Zeit. In Deutschland drückten die „Wandervögel“ eine ähnliche Initiative aus.
In seinen Pagan Papers (1904) nannte Kenneth Grahame sich selbst einen der „treuen Heiden“, die die alte Religion fortführten: „Unser Blut tanzte zu imaginärer Flötenmusik des Pan von glücklichen Feldern in weiter Ferne“. Kapitel 7 von The Wind in the Willows mit der Überschrift „Der Flötenspieler an den Toren der Morgendämmerung“ beschreibt eine Vision des großen Gottes Pan. Grahames Biograph Peter Green nannte diese Vision „das höchste Beispiel für den neuheidnischen Mystizismus des neunzehnten Jahrhunderts“, möglicherweise das Ergebnis einer intensiven visionären Erfahrung von Grahame. Zu dieser Zeit gab es im intellektuellen Milieu das Gefühl, eine neue Religion sei im Entstehen: „Eine Religion, so großartig und allumfassend, daß die Hierarchie, die sie gebären wird, die in sich den Künstler und den Priester vereint, unser gegenwärtiges kommerzielles Zeitalter verdrängen und völlig zerstören wird“. Das war nichts anderes als „die kreative heidnische Akzeptanz des Lebens“, die von dem Dramatiker Eugene O’Neill gefördert wurde.

Während des neunzehnten Jahrhunderts wurden die germanischen Legenden von den Brüdern Grimm gesammelt und von Richard Wagner in einen kraftvollen Mythos verwandelt. Wie Wagner selbst in seinem Essay „Was ist deutsch?“ schrieb: „In rauhen Wäldern, im langen Winter, in der Wärme des Feuers im Herd dieser Burgkammer, die hoch in die Luft aufragt, schwelgt er lange in den Erinnerungen seiner Vorväter; er verwandelt seine zu Hause gezüchteten Mythen der Götter in mannigfaltige und unerschöpfliche Legenden.“ Wagners Engagement zum Aufbau einer nationalen Identität für die Deutschen durch ursprüngliche Mythen war ehrlich, und ein weiteres ständiges Thema in seiner Kunst war die Spannung zwischen dem christlichen Asketentum, das er ererbt hatte, und der heidnischen Bejahung des Lebens, der er sich als Künstler verpflichtet hatte. Die Aussöhnung zwischen „Parnassus und Paradies“ im abschließenden Krönungslied der Meistersinger ist einer der glücklicheren Momente seiner Suche. Wagners Engagement für die Wiedererschaffung der geistig-emotionalen Katharsis der griechischen Tragödie in seinem Tempel des musikalischen Dramas in Bayreuth wurde von seinem Freund, dem Klassizisten Friedrich Nietzsche, ermutigt und teilweise geformt. Nietzsche trennte sich jedoch von Wagner, als der letztere in seinem abschließenden Musikdrama Parsifal auch den christlichen Mythos aufgriff.

Altertumsstudien der Runen, besonders in deutschsprachigen Ländern, führten zu einem Wiedererwachen der Verwendung der Runen, einschließlich ihrer geistigen Dimension. Die runische Inschrift, die William Kermode, der Antiquitätenhändler aus Manx, in den Grabstein seines Familienhundes meißeln ließ, ist ein Teil dieses wiedererwachenden Bewußtseins. Auf einer mystischeren Ebene gab sich der pangermanische
Mystiker Guido von List dem Dienst für Wotan hin und ersann 1904 ein neues System der Runen, das auf der Schriftautorität des Runenliedes im Lied Hávamál aus der Edda basiert. In Deutschland wurden mystische Elemente aus der nördlichen Tradition in der Architektur verwendet, am auffallendsten von Bernhard Hoetger (1874 - 1949). Hoetger respektierte den genius loci der Orte, an denen er baute. 1925 verwendete er im Café Worpswede und bei der Großen Kunstschau, die 1927 in Worpswede stattfand, heidnische nordgermanische Elemente. Seine wichtigste Arbeit war der Entwurf der Böttcherstraße in Bremen (1923 - 1931), gefördert von Ludwig Roselius. Man nannte es das Haus Atlantis, ein „High-Tech“-Gebäude, das erste, bei dem in der Konstruktion Walzstahl verwendet wurde. Eine Fassade zeigt eine Skulptur von Odin auf dem Baum in einem Rad aus Runen. Anderswo finden sich Bäume des Lebens aus der nordischen Tradition, solare Bilder und eine Halle des Himmels, die Walhalla wiederspiegelt. Traurigerweise war das Bild des Odin das einzige, das bei der Rekonstruktion der Straße in den 1950ern nach Kriegsschäden bei der Wiederherstellung weggelassen wurde.

In Britannien begann James Frazer (1854 - 1941), ein Mitglied des Trinity College in Cambridge, ein Programm, das demonstrieren sollte, daß der christliche Mythos des sterbenden und auferstandenen Gottes einfach ein Beispiel einer universellen heidnischen Geschichte war: der sterbende und wiedergeborene Naturgott, wie er im babylonischen Mythos des Tammuz veranschaulicht wird. The Golden Bough, das zwischen 1890 und 1915 in zwei Ausgaben veröffentlicht wurde, war das sehr einflußreiche Ergebnis dieser Suche. Es hatte zwar bei seiner Suche nach einem universellen sterbenden und auferstandenen Gott keinen Erfolg, doch es dokumentierte einen Reichtum verbliebener Volkspraktiken, die in heidnischen Zeiten einer Gottheit geweiht worden waren, lieferte ein Programm der Interpretation, der Suche nach verborgenen religiösen Bedeutungen solcher Praktiken und inspirierte sowohl ein Programm der Forschung (die „Cambridge-Schule“ der Anthropologie) als auch eine populäre Anhängerschaft, die die Hypothesen der letzteren als bewiesen behandelten.

NEUHEIDENTUM
Der Ausdruck „Neuheidentum“ wird oft auf alle angewandt, die heute Heidentum ausüben, besonders von amerikanischen Kommentatoren. Zunächst wurde er jedoch auf ziemlich abschätzige Art für die Künstler der präraffaelitischen Bewegung verwendet. Später gab es eine Gruppe, die sich tatsächlich Neuheiden nannte. Sie wurde 1908 in Cambridge gegründet, und zu ihr gehörten der Künstler Gwen Raverat und der Dichter Rupert Brooke. Doch die Neuheiden scheinen keine echte geistige Richtung gehabt zu haben. Die Mitglieder unternahmen lange Landwanderungen und schliefen unter Segeltuch, machten jedoch keinen ernsthaften Versuch, die heidnische Religion wiederherzustellen. Nach 1911 setzte Francis Cornford das Neuheidentum in Cambridge fort, doch in den 1920ern war es verblaßt.

Cornford gehörte jedoch zur „Cambridge-Schule“ und war ein Schüler von Jane Ellen Harrison (1850 - 1928), deren Programm der Demonstration der „primitiven“ Substanz der olympischen Religion, wobei die Volksbräuche der ausgereiften Kunst und Rationalität der griechischen Zivilisation zu Grunde lagen, zeigte, wie sich eine kunstvolle intellektuelle Struktur aus einheimischer Praxis entwickeln konnte. Sie beschrieb diesen Prozeß als „Säuberung der Religion von der Angst“. Sie hatte besonderes Interesse am orphischen Mystizismus, den sie als Reinigung und Vollendung der früheren, blutrünstigen Riten des Dionysos sah. Der sakramentale Gedanke der höheren Mysterienreligionen wie der Orphik, wodurch der Anbeter für eine kurze Zeit zu der Gottheit wurde, wenn er oder sie schamanisch von letzterer besessen war, war ihrer Meinung nach ein veredelnder Einfluß auf die menschliche Rasse. Ursprünglich wurde sie von Sir James Frazer inspiriert, und einiges von ihrer Arbeit (z. B. Themis) und der ihrer Anhänger wird von einem Beharren auf der Universalität des sterbenden und auferstandenen Gottes beeinträchtigt. Andere Teile ihrer Arbeit zeigen jedoch den tatsächlichen Pfad der Entwicklung zwischen extrem primitiven Riten und extrem intellektuellen Philosophien der Mysterienreligionen.

Die Suche nach einer Fruchtbarkeitsreligion im Stil von Frazer, wenn möglich mit Zeichen eines „esoterischen Kerns“, führten nicht nur zur „Cambridge-Schule“ der Anthropologie, sondern auch zu anderen Initiativen, die im frühen zwanzigsten Jahrhundert blühten. Die Theorie der Ägyptologin Margaret Murray wurde bereits kritisiert. Sie wurde jedoch außerhalb des engen Bereiches der reformatorischen Studien bis in die 1970er von vielen Gelehrten akzeptiert. Daher wurden die modernen „Hexen“, die in Britannien nach der Aufhebung des Hexereigesetzes 1951 erschienen, stark davon beeinflußt. Sie sahen sich als wohlmeinende ländliche Heiden, die den inneren Mysterien einer einfachen Naturreligion folgten, die von der schwarzen Propaganda der Kirche grausam zerstört worden war. 1921 veröffentlichte Jessie Weston, eine Spezialistin für romantische Literatur an der Universität von Paris, eine einflußreiche Studie der Gralsromane und erklärte, daß sie eine höhere Mysterieninitiation aufzeichneten, die den Symbolismus der alten keltischen Fruchtbarkeitsreligion verwendete, an die man sich in Europa zu jener Zeit immer noch schwach erinnerte. Weston verließ sich größtenteils auf Insiderinformationen über die rituelle und esoterische Interpretation der alten Mythologie durch moderne Zeremonialmagie (der Orden des Golden Dawn, bei welchem ihr Informant Mitglied war, war 1888 gegründet worden) wie auch auf die orphischen und gnostischen Fragmente, die zu jener Zeit gerade von Gelehrten kollationiert wurden. An diesem Punkt des zwanzigsten Jahrhunderts suchten einige zivilisierte Westler ganz klar nach einer esoterischen Religion, die sie sowohl geistig anregte als auch in einheimischer ländlicher Praxis verankert war. Eine der Schulen, die diese Kriterien erfüllte, war Wicca.

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